Wie man sich bettet so schläft man - deshalb die passende Isomatte mit auf Tour.
Auf einer Tour ist kaum etwas so wichtig wie ein erholsamer Schlaf um neue Kraft zu schöpfen und leistungsfähig zu bleiben. Abhängig davon ist natürlich wie warm und bequem man in der Nacht schläft. Bei der Wahl des entsprechenden Schlafsystems liegt der Focus meist auf dem passenden Schlafsacks. Weniger Beachtung findet oft die Unterlage, die Isomatte auf welche man sich bettet.
Zu Unrecht, isoliert doch ein Schlafsack die Person nur nach oben. Durch das eigene Gewicht wird die Füllung des Schlafsacks auf der Unterseite zusammengedrückt und isoliert somit kaum. Zum Boden hin muss folglich die Schlafunterlage für Isolation sorgen. Außerdem muss sie mit einer entsprechenden Polsterung für einen angenehmen Schlafkomfort sorgen damit man am Morgen nicht mit blauen Flecken aufwacht.
Die Entscheidung für die eine oder andere Unterlage ist wie bei vielen Kaufentscheidungen im Outdoorbereich ein Kompromiss aus Verwendungszweck, Gewicht- und Komfortanspruch, persönlichen Vorzügen und nicht zuletzt dem Geldbeutel. Zum Glück hat sich in den letzten Jahren eine Menge in diesem Bereich bewegt. Durch eine Vielzahl von Innovationen sollte sich mittlerweile für jeden Interessenten die passende Isomatte finden.
Zuvor etwas trockene Theorie, bevor die gängigsten Isomattenkonzepte und Produkte vorgestellt werden.
Wie bei einem Schlafsack wärmt eine Isomatte nicht im eigentlichen Sinne, sondern isoliert lediglich gegen Bodenkälte. Der eigentliche “Isolator” bei einer Isomatte ist die in der Isomatte eingeschlossene Luft. Damit dies vernünftig funktioniert, muss diese Luft allerdings an der Zirkulation, und dem damit verbundenen Wärmeaustauch gehindert werden. Dabei setzen die Hersteller auf verschiedene Konzepte. Die einen setzen auf Schaumstoff oder Kunstfasern, andere sogar auf Daune als Zirkulationsbarriere. Egal welches Material Verwendung findet, es dient in jedem Fall dazu die Luft an der Zirkulation zwischen dem Boden und der schlafenden Person in den Kammern der Isomatte zu hindern.
Wie gut eine Matte isoliert, und bis zu welcher Grenztemperatur sie vernünftig eingesetzt werden kann beschreibt der R-Wert, welchen viele Hersteller als Maß für die Isolationfähigkeit angeben. Der R-Wert beschreibt den Wärmedurchgangswiederstand für einen bestimmten Stoff. Je höher der R-Wert, desto besser die Wärmedämmeigenschaften. In dem folgendem Diagramm sind die R-Werte einiger gängiger Matten dargestellt. Möchte man 2 Matten kombinieren kann man die R-Werte beider Isomatten addieren und kann so ungefähr die Temperatur ableiten bis zu welcher die Kombination verwendbar ist. Allerdings gilt diese Grenztemperatur nur für wenig verfrorenen Naturen! Kombiniert man z.B. eine ThermARest Prolite (R-Wert 2,2) mit einer 4mm dicken Exped DoubleMat aus Evazote (R-Wert 1,5) erhält man eine R-Wert von 3,7. Damit lässt sich diese Kombination bis ca. -9°C nutzen.
Im folgenden werden die gängigsten Mattenkonzepte mit deren deren Vor- und Nachteilen vorgestellt.
Feste Schaumstoffmatten: Als Schaumstoff kommt nur ein geschlossenzelliger Schaum in Frage, da dieser nicht dazu neigt Feuchtigkeit in das Innere weiterzuleiten. Evazote ist hier das Material der Wahl. Billige Isomatten aus PE-Schaum saugen Nässe auf wie ein Schwamm und liegen sich sehr schnell platt. Einige Hersteller versuchen durch eine besondere Oberfächenstruktur (Rillen, Vertiefungen) die Isolation zu steigern, ohne das Gewicht der Isomatte zu erhöhen. So zum Beispiel mit einer Art Eierkartonstruktur bei der Therm-A-Rest Z-Lite.
- Vorteil: Günstig in der Anschaffung, sehr robust, praktisch unzerstörbar sind diese Matten immer noch erste Wahl wenn es um absolute Zuverlässigkeit wie z.B. auf Wintertouren geht.
- Nachteile sind das hohe Gewicht und das große Packvolumen. Bei starker Hitzeeinwickung (auch Sonneneinstrahlung) neigen Matten aus Evazote sich zu verformen. Außerdem ist der Komfort auf diesen festen Matten recht spartanisch.
Selbstaufblasende Matten: Diese Matten bestehen auch einem offenporiger Schaum eingeklebt in ein luftdichtes Gewebe. Wird das Ventil geöffnet dehnt sich der Schaum aus, und Luft strömt in die Matte. Mittlerweile gibt es diese Matten in allen möglich Varianten z.b. mit quer- oder längsgelochten Schäumen, in Mumienform um Gewicht zu sparen.
- Diese Matten sind vergleichsweise günstig in der Anschaffung. Durch den weichen Schaum im Inneren sind diese in Abhängigkeit von der Mattendicke, sehr bequem. Durch das geringe Packvolumen eignen sich diese Matten ideal für Rucksackreisende. Bekannt Hersteller sind z.B. Therm-A-Rest, Exped, Robens, Outwell und Artiach.
- Allerdings kann bei diesen Isomatten ein einziges Loch dafür sorgen, dass die Isolation auf fast null sinkt. Durch die lange Erfahrung in der Produktion dieser Matten gelten diese aber als ausgereift und sehr zuverlässig. Manchen erscheint das Gewicht dieser Matten mit 500 – 1000 Gramm leider immer noch zu hoch.
Luftmatten: Eine Wiedergeburt erfuhr in den letzten Jahren die gute alte “Lutzmatratze”. Bis vor kurzem konnte man eine Verwendung nur empfehlen wenn die Einsatztemperaturen im 2-stelligen Plusbereich lagen. Durch die großen Kammern konnte die Luft frei und ungehindert zirkulieren. Vor einigen Jahren stellte Exped mit der ersten Downmat 7 und Downmat 9 dem Outdoormarkt eine kleine Revolution vor. Durch die daunengefüllten Kammern erweitert sich der Einsatzbereich auf unter -30°C!
Mittlerweile bietet Exped die Luftmatratzen auch gefüllt mit Synthetikfaser (SynMat) oder Schaumstoff (Comfort FoamMat) an. Diese erreichen zwar nicht die Isolationswerte wie die Downmat, sind aber in der Anschaffung günstiger.
Auch im Ultraleichtgewichts-Sektor ist die Luftmatratze längst angekommen. Mit der Neoair präsentierte Therm-A-Rest 2009 eine Matte mit unglaublich geringem Gewicht. Da die Matte mit einem hervorragendem Komfort und einer Isolation bis an den Gefrierpunkt punkten kann, macht es sie besonders interessant für Trekker welche auf jedes Gramm achten. Der besonder Clou der Matte sind die eingezogenen Zwischenebenen aus Folie welche die Zirkulation unterbinden, aber sogut wie nichts wiegen.
- Ein großer Vorteil dieser Matten ist der deutlich Komfortgewinn gegenüber herkömmlichen Schaummatten, und das hervorragende Isolation-Gewichtsverhältnis. Außerdem ist das Packmaß mit einem Volumen von unter einem Liter erstaunlich klein.
- Ein großer Nachteil wird deutlich wenn die Matten durch ein Leck Luft verlieren. Dann ist eine Isolationswirkung meist nicht mehr vorhanden. Ein sorgfältiger Umgang ist folglich Vorraussetzung.
Es wird klar, dass es kein eindeutiges Für oder Wider bei den unterschiedlichen Mattentypen geben kann. Jede Matte hat ihre eigenen Vor- und Nachteile. Eine Abwägung muss unter persönlichen, und den Anforderungen der Tour entsprechenden Gesichtspunkten erfolgen. In dem sehr umfangreichem Angebot sollte allerdings jeder seine ideale Matte finden, auch wenn die Enscheidung nicht leicht fällt.
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